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JULIUS! News

Einblicke, Impulse und Perspektiven.

Wie fühlt es sich an, Teil dieses Teams zu sein?

Warum das Miteinander im Arbeitsalltag Aufmerksamkeit verdient – und gute Zusammenarbeit bewusst gestaltet werden muss.

Manche Arbeitstage sind anstrengend und trotzdem gut. Es gibt viel zu erledigen, die Zeit ist knapp, vielleicht läuft auch etwas schief. Aber da sind Menschen, mit denen man sich abstimmen kann. Eine Kollegin denkt mit, ein Kollege übernimmt Verantwortung, die Führungskraft hört zu. Man geht müde nach Hause, hat aber das Gefühl, gemeinsam etwas geschafft zu haben. Andere Tage kosten Kraft, obwohl die Aufgaben durchaus zu bewältigen wären. Eine Rückfrage wird mit einem Augenrollen beantwortet, Informationen kommen zu spät, eine Unstimmigkeit bleibt unausgesprochen. Was belastet, ist dann auch die Unsicherheit darüber, wie die Zusammenarbeit heute wieder verlaufen wird.

Wenn Unternehmen über Mitarbeiterzufriedenheit sprechen, geht es häufig um Gehalt, Arbeitszeiten, Entwicklungsmöglichkeiten und Flexibilität. Diese Bedingungen verdienen Aufmerksamkeit. Doch sie beschreiben nur einen Teil dessen, was Menschen täglich erleben. Ebenso bedeutsam ist die Frage, wie es sich anfühlt, mit den anderen zu arbeiten: Kann ich mich auf Absprachen verlassen? Darf ich um Unterstützung bitten? Wird meine Sicht gehört? Und gehöre ich auch dann noch dazu, wenn ich anderer Meinung bin? Ein Unternehmen kann auf dem Papier vieles bieten. Ob Menschen gerne zur Arbeit kommen, entscheidet sich auch in solchen alltäglichen Erfahrungen.

Was zwischen Menschen passiert, gehört zur Arbeit

Wie eng Beziehungen am Arbeitsplatz und Bindung an den Betrieb zusammenhängen, zeigt eine österreichische Auswertung des Arbeitsklima Index aus 2025. Der Wunsch nach einem Wechsel wird stärker, je unzufriedener Beschäftigte mit den Beziehungen zu ihren Kolleg*innen und dem Führungsstil sind. Insgesamt möchte etwa ein Sechstel der Beschäftigten den Betrieb wechseln. Das beweist nicht, dass ein schwieriges Miteinander allein Kündigungen verursacht. Es zeigt aber, dass soziale Beziehungen und Führung dazugehören, wenn Unternehmen verstehen wollen, warum Menschen bleiben möchten – oder sich nach einer anderen Arbeit umsehen. [Quelle ]

Dabei entsteht ein schwieriges Teamklima nicht immer durch einen großen Streit. Manchmal entwickelt es sich über lange Zeit: Aufgaben werden unterschiedlich verstanden, Zusagen nicht eingehalten, zusätzliche Arbeit landet immer bei denselben Personen. Was für die einen eine kleine Unachtsamkeit ist, wird für andere zur wiederholten Erfahrung, nicht ernst genommen zu werden. Irgendwann wird seltener nachgefragt, weniger angesprochen und nur noch das Nötigste abgestimmt. Von außen kann ein solches Team erstaunlich ruhig wirken. Diese Ruhe sagt jedoch wenig darüber aus, wie viel Vertrauen noch vorhanden ist.

Gute Zusammenarbeit braucht deshalb Raum für Widerspruch. Unterschiedliche Einschätzungen können helfen, Fehler zu erkennen und bessere Entscheidungen zu treffen. Entscheidend ist, ob eine Meinungsverschiedenheit bei der Sache bleiben darf oder ob daraus eine persönliche Abwertung wird. Wer befürchten muss, für eine kritische Frage bloßgestellt zu werden, wird sich möglicherweise zurückhalten. Als praktische Überlegung ist das besonders relevant für Führungskräfte: Wenn niemand widerspricht, kann das Zustimmung bedeuten. Es kann ebenso bedeuten, dass die Menschen keinen Sinn mehr darin sehen, etwas anzusprechen.

Führung gestaltet diesen Rahmen mit jeder Reaktion. Was geschieht, wenn ein Fehler sichtbar wird? Wie werden Belastungen verteilt? Werden Entscheidungen erklärt und Vereinbarungen eingehalten? Gleichzeitig arbeiten auch Führungskräfte unter Druck und müssen Erwartungen erfüllen, die sich nicht immer miteinander vereinbaren lassen. Wer Zusammenarbeit verbessern möchte, muss deshalb beide Seiten betrachten: das Verhalten im Team und die Bedingungen, unter denen dieses Verhalten entsteht. Wenn Zuständigkeiten unklar bleiben oder die Arbeitsmenge dauerhaft zu hoch ist, wird auch ein respektvoller Umgang immer wieder auf die Probe gestellt.

Zusammenhalt braucht auch Grenzen

Soziale Unterstützung kann entlasten. Eine 2024 veröffentlichte Studie der Universität Wien mit 400 Beschäftigten aus Österreich und Deutschland fand einen Zusammenhang zwischen unterstützender Teamkommunikation und geringerem Stress durch komplexe digitale Technologien. Die Daten wurden 2021 erhoben und betreffen überwiegend im Homeoffice arbeitende Menschen in größeren Organisationen. Der Befund lässt sich deshalb nicht pauschal auf jedes Unternehmen übertragen. Er macht jedoch eine wichtige Verbindung sichtbar: Bei Schwierigkeiten zählt neben hilfreicher Information auch die Erfahrung, mit dem Problem Unterstützung zu finden. [Quelle ]

Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen, was im Unternehmen unter Zusammenhalt verstanden wird. Gegenseitige Unterstützung kann Menschen stärken. Sie kann aber auch mit unausgesprochenen Erwartungen verbunden sein: immer einspringen, niemanden enttäuschen, die eigenen Grenzen zurückstellen. In einer Auswertung der Arbeiterkammer Oberösterreich aus 2024 nennen 55 Prozent der Beschäftigten, die trotz Krankheit arbeiten, das Pflichtgefühl gegenüber Kolleg*innen als Hauptgrund. Fehlende Vertretung nennen 32 Prozent. Diese Zahlen beschreiben keine mangelnde Hilfsbereitschaft, sondern machen sichtbar, wie Loyalität und organisatorische Engpässe zusammenwirken können. [Quelle ]

Ein tragfähiges Team braucht daher beides: Menschen, die einander unterstützen, und Bedingungen, unter denen Unterstützung nicht zur dauerhaften Selbstüberforderung wird. Wer krank ist, sollte sich erholen können. Wer seine Belastungsgrenze anspricht, braucht eine ernsthafte Antwort. Und wer neu ins Team kommt, muss die Möglichkeit haben, dazuzugehören, ohne zunächst jede unausgesprochene Regel erraten zu müssen. Ob ein Team gut zusammenarbeitet, zeigt sich auch daran, wie es mit jenen umgeht, die gerade weniger leisten können, eine andere Perspektive einbringen oder Unterstützung benötigen.

Gute Zusammenarbeit lässt sich gestalten

Im Arbeitsalltag bleibt oft wenig Zeit, diese Fragen gemeinsam zu betrachten. Das nächste Projekt, der nächste Termin und die nächste dringende Aufgabe verlangen Aufmerksamkeit. So kann sich ein Team an Abläufe gewöhnen, die niemand bewusst gewählt hat. Gezielte Teamentwicklung schafft die Gelegenheit, solche Muster sichtbar zu machen: Wo verlieren wir Informationen? Welche Erwartungen haben wir aneinander? Was erschwert die Abstimmung? Welche Verantwortung ist klar geregelt, welche wird stillschweigend weitergeschoben? Dabei geht es darum, die tatsächliche Zusammenarbeit zu verstehen und konkrete Veränderungen zu vereinbaren.

Gemeinsame Erlebnisse können dafür einen Zugang schaffen. Bei einer Aufgabe außerhalb der gewohnten Routine werden Abstimmung, Entscheidungsverhalten und gegenseitige Unterstützung manchmal leichter erkennbar. Ihr Nutzen für den Arbeitsalltag entsteht durch die anschließende Reflexion: Was haben wir beobachtet, was davon kennen wir aus unserer Arbeit, und was wollen wir künftig anders machen? Ein gemeinsamer Teamtag kann einen Prozess anstoßen. Die geprüften österreichischen Studien liefern allerdings keine Grundlage für das Versprechen, dass ein einzelner Workshop automatisch Zufriedenheit erhöht oder Kündigungen verhindert.

Wirksam angelegte Teamentwicklung braucht deshalb Anschluss an den Alltag. Aus einem offenen Gespräch müssen nachvollziehbare Vereinbarungen werden: Wer braucht welche Informationen? Wie sprechen wir Unstimmigkeiten frühzeitig an? Wie verteilen wir Verantwortung? Wann prüfen wir gemeinsam, ob sich etwas verbessert hat? Führungskräfte gehören in diesen Prozess, weil viele Fragen der Zusammenarbeit auch Entscheidungen über Prioritäten, Ressourcen und Handlungsspielräume berühren. Externe Begleitung kann dabei helfen, unterschiedliche Perspektiven hörbar zu machen und schwierige Gespräche zu strukturieren. Dauerhafte Überlastung, fehlende Ressourcen oder schwerwiegende Grenzverletzungen benötigen darüber hinaus eigene, angemessene Lösungen.

Gute Zusammenarbeit entsteht aus vielen wiederkehrenden Erfahrungen: dass jemand zuhört, eine Zusage hält, Unterstützung anbietet, einen Fehler fair anspricht oder eine Grenze respektiert. Diese Erfahrungen verdienen dieselbe Aufmerksamkeit wie Aufgaben, Abläufe und Ergebnisse. Vielleicht beginnt die nächste sinnvolle Entwicklung im Unternehmen deshalb mit einer Frage, die im Tagesgeschäft selten gestellt wird: „Wie fühlt es sich für die Menschen tatsächlich an, Teil dieses Teams zu sein und was in unserem gemeinsamen Alltag trägt dazu bei?“

Quellenhinweise im Blog beziehen sich auf die nummerierten Originalquellen oben. Alle Abschnitte zu Teamentwicklung sind fachliche Ableitungen und Gestaltungsvorschläge, keine in den genannten Studien geprüften Interventionswirkungen.